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Wenn man die fremden Gesichter im Video A Look Back betrachtet, die den Ausbruch des 33-tägigen Konflikts zwischen dem Libanon und Israel im Jahre 2006 direkt erleben, fühlt man instinktiv Mitgefühl für diese unschuldigen Zeugen, die eine derartige Erfahrung machen. Bei einem zweitem Betrachten stellt sich jedoch die Frage: Wer sind diese Menschen? Ramadan gibt die Antwort: „Alle Menschen im Video sind Libanesen, die in der Diaspora leben ... Mehrere tausend westliche Passinhaber mit libanesischer Herkunft, die von ihren Ländern aus dem Libanon evakuiert wurden...“

In einem seiner Texte weist Ramadan darauf hin, dass „Identität in der körperlosen Welt der virtuellen Gemeinschaften auch mehrdeutig ist...“. Mit Bezug auf das Schicksal dieser Gruppe von Menschen, die das Video A Look Back „bewohnen“, könnte man also fragen: Diese Individuen sind libanesischer Herkunft, haben westliche Pässe, was ihnen erlaubt, sich frei zu bewegen, was die Möglichkeit zur Flucht aus der Kriegsituation impliziert ... Ist die nationale Identität dieser Menschen also mehrdeutig? Können wir die Menschen aus diesem Video immer noch als Teil einer Gruppe „marginalisierter“ Individuen definieren, und sie im „Grenzbereich des Rechts“ „platzieren“?

Meiner Ansicht nach sind diese Menschen Opfer ihrer eigenen „mehrdeutigen Identität“, jener Identität, mit der die Meisten von uns – als Transnationale, oder als Staatsbürger mit doppelter beziehungsweise gar dreifacher Nationalität/Staatsangehörigkeit – leben. Diese Form der Identität schenkt uns eine Freiheit, sie nimmt aber auch die Möglichkeit zu einer Zugehörigkeit, was wiederum eine Einschränkung darstellt.



Projekt: (IM)MIGRANTS WITH(IN)
AUSTELLUNGSDAUER: 22. März - 11. April 2009
Kuratorin: Nada Prlja






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