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SOZIALE REGULIERUNG UNTER DER DEREGULIERUNG DES MARKTES: „EIN ERNSTHAFTES SPIEL ÜBER GLEICHGEWICHT”

2009

Interaktives Spiel, Installation

SOZIALE REGULIERUNG UNTER DER DEREGULIERUNG DES MARKTES: „EIN ERNSTHAFTES SPIEL ÜBER GLEICHGEWICHT”

Lina Dokuzovic »


„Ein ernsthaftes Spiel über Gleichgewicht” simuliert Parallelen zur gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Situation – einer Situation, die geprägt ist von Instabilität und „Krise“. Das ultimative Ziel des kapitalis-tischen Systems besteht darin, sich immer weiter entwickelnde, flexible Mittel zu finden, um die Stabilität einer inhärent instabilen Struktur / eines Marktes aufrechtzuerhalten, der Profit aus Gewalt, Sklaverei, Beschlagnahme und Tod zieht. Daher ist Hauptvoraussetzung für das Spiel die Analyse des Austausches von Ressourcen biologischer, lebendiger oder toter Arbeit.

Da das Spiel infra- und superstrukturelle Elemente des Systems simuliert, wird die „Stabilität” zwischen einer zunehmend deregulierten Wirtschaft und sozialer Regulierung gezeigt und aufrechterhalten. Der theoretische Ansatz beruht auf dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik (Rudolf Clausius, 1850), der besagt, dass „Energie nicht erzeugt oder zerstört, sondern nur von der einen Form in die andere umgewandelt werden kann“, und zwar hier unter Verwendung der miteinander verbundenen Elemente Kapital, Finanzen und soziale Rollen. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik (Nicolas Léonard Sadi Carnot, 1824) führt jedoch die Entropie als Variable bei der Energieproduktion ein und stellt fest, dass es eine fortwährende, sich sukzessive steigernde Tendenz zu einem Zerstörungszustand gibt. Ein System, das aus eigenen Kräften also nie ein Gleichgewicht erreichen kann, gelangt schließlich an eine Grenze – die hier als Grenze der Kapitalressourcen präsentiert wird. Eine innere Aneignung der Entropieformen selbst ist die Folge, um sich gerade die Bedingungen der Instabilität zu Nutze zu machen. Dabei wird Entropie durch „Nekrotrophie” – den Parasitismus lebendiger Ressourcen, der zum Tod führt, hier als „Nekro-Politik“ (Achille Mbembe) postuliert – ausgebeutet. Das Spiel deckt die perverse Beziehung zwischen wirtschaftlicher Produktion und der Produktion von Lebensweisen auf. Die Entscheidung für die Form eines „ernsthaften Spiels“ stellt die kritische Analyse eines „Gleichgewichts” dar, das nicht zu erreichen ist. Das interaktive Projekt soll als eine autarke experimentelle Lernplattform existieren. Es besteht aus der Spielmaschine, den Spielregeln, den Spielkarten und einem begleitenden Handbuch.



Projekt: Ensemble der Verhältnisse
AUSTELLUNGSDAUER:: 22. April - 2. Mai 2009
Kurator: Can Gülcü







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