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grafisches Element

Ein Wort auf einem Baum ist wie ein Körper als ein Ding

Federica Bueti »

Teilnehmende KünstlerInnen:

Kaya Behkalam
Olivia Dunbar
Sarah Forrest
Mariam Ghani
Rana Hamadeh
Jillian Mayer
Angel Nevarez und Valerie Tevere
Anne Waldman


Wie erzählen wir Geschichten? Wie wird ein Wort zu einem Ding, das zu einem Zitronenbaum wird? Und wie wird Wissen geschaffen und geteilt? Das Projekt A Word on a Tree Like a Body as a Thing befasst sich mit Geschichtenerzählen und Schreiben, mit dem Einsatz von Wissen und der Produktion von Diskursen in aktuellen künstlerischen Praktiken. KünstlerInnen sind GeschichtenerzählerInnen, aber von einer anderen Art. Sie erkunden die Möglichkeiten des Gebrauchs von geschriebener und gesprochener Sprache, als Material und Ort, auf dem eine neue Grammatik der Beziehung aufgebaut wird, um sich mit der Materialität von Zeichen auseinanderzusetzen, Narrative auszuprobieren und Konventionen, wie Bedeutung geschaffen und eine Geschichte erzählt wird, aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Die Arbeiten der KünstlerInnen, die in diesem Projekt vorgestellt werden, verwenden Sprache so, dass in ihr die Musik der Dinge immer nachklingt; sie wartet nur darauf, von uns mit unseren Körpern, Ohren, Nasen, Brüsten, der Haut gehört zu werden. Persönliche Erfahrungen anstatt vorgefertigter Theorien, Eindrücke und Vorstellungskraft anstelle normativer Diskurse, Zuhören statt Sprechen und Beobachten und Lesen in Zeitlupe anstelle beschleunigten Konsums von Information sind einige der Qualitäten, die aus diesen Arbeiten hervorgehen.

Eine Geschichte zu erzählen bedeutet nicht nur, Bedeutung zu konstruieren und die Realität zu interpretieren. Es ist auch ein Weg, einen Raum für Begegnungen zu schaffen, damit eine neue Geschichte entstehen und Erinnerungen sich überschneiden können; eine Welt, in der Dinge zu riechen und zu fühlen sind. Ob in den Straßen von Austin (Texas), Kairo, Kabul oder Kassel, im Raum des Web, von Youtube, auf einer Seite oder in den Zeilen eines Liedes geben diese Begegnungen – zwischen realen und fiktiven Fakten, Orten, Ideen, Worten – den unterschiedlichen Geschichten einen besonderen Geruch und Substanz.

Jede Geschichte ist Fragment und Spur dieser Erinnerungen: zwischen Frauen unterschiedlicher Hintergründe, Klassen und Generationen im beeindruckenden Fast Speaking Woman Gedicht der amerikanischen Poetin Anne Waldman; zwischen den Seelen und dem Schicksal der beiden Städte Kabul und Kassel und ihren entsprechenden Geschichten des Zusammenbruchs und der Zerstörung, wie sie von Mariam Ghani in ihrem Video A Brief History of Collapses (2011) erzäht wird; zwischen einer post-revolutionären Landschaft in Kairo und den Träumen ihrer BewohnerInnen in Kaya Behkalams Video Excursions in the Dark (2011); zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer fiktiven Begegnung zwischen einer Großmutter und ihrem ungeborenen Enkelkind in Jillian Mayers Video I am your Grandma (2011); zwischen Politik, Gemeinschaft, Aktivismus, kulturellem Engagement und Musik in der Projekt-Performance von Angel Nevarez und Valerie Tevere We need a theory to continue (2008), die hier als Klang-Stück präsentiert wird; zwischen Wünschen, individueller und kollektiver Handlungsmacht und der poetischen Macht eines kleinen Defekts in dem Video und begleitenden Gedicht Death Effects (2013) von Olivia Dunbar; und zwischen unterschiedlichen Momenten in der Geschichte, unterschiedlichen Definitionen von „Widerstand“ und Revolution, die von Rana Hamadeh in De Contagione et Contagiosis Morbis or, the dictator's clinic ihrer allegorischen Lesart der Pestseuchen von Athen diskutiert werden. Der Text wurde vom …ment Journal anlässlich der Ausgabe „Move...ment“ über Sprache und Protest, in Zusammenarbeit mit Book Works, beauftragt und wird hier in überarbeiteter Fassung neu publiziert.

Das Projekt A Word on a Tree Like a Body as a Thing versammelt die Arbeiten von KünstlerInnen, die Sprache als lebendiges Material verstehen und verwenden, weniger als verdichtete Form. Und es reflektiert die Porosität und die Potenzialität von Sprache dabei, Normen, Dogmen und Konventionen aufzuheben, während auch die anderen Möglichkeiten untersucht werden, wie Raum aktiviert, Erinnerungen reartikuliert und Geschichten in einer Weise und einem Stil erzählt werden, welche die Worte von der Seite in eine Geschichte springen lassen ‒ die dann gefühlt und visualisiert werden kann.

Aus dem Englischen übersetzt von Dörte Eliass

Unterstützt von:

bm:ukk
ERSTE Foundation
Stadt Wien - Kulturabteilung MA 7
MA 7 - Interkulturelle und Internationale Aktivitäten
Stadt Wien - Film, Kino, Neue Medien

Mit freundlicher Teilunterstützung von:

Italian Cultural Institute / Istituto Italiano di Cultura

In Zusammenarbeit mit:

Istanbul Bilgi University
Künstlerhaus Büchsenhausen, Innsbruck




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