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grafisches Element

Illusion und Exodus

Marius Ertelt »

Teilnehmende KünstlerInnen:

Adrian Alecu
Nadim Assad
Nuray Demir
Alexander Strehl & Lutz Meyer
Ovidiu Anton
Luiza Margan
Jochen Schmith


Es gibt zwei komplementäre Ansätze, welche die gegenwärtigen Diskurse um den technologischen Fortschritt bestimmen: eine von Technophobie getragene Panik einerseits und eine (er-)lösungsversprechende technophile Version andererseits. Neben ihrem ideologischen Charakter verbindet beide die Annahme, dass sich technische Objekte eben nicht nur auf ihre bloße Materialität reduzieren lassen. In einer von Algorithmen, Datenindustrien und künstlichen Intelligenzen bestimmten Gegenwart ist es aber scheinbar nicht nur nötig, die Unterscheidungen von Subjekt und Objekt neu zu denken, sondern auch grundlegend, veränderte Bedingungen von Wissensproduktion anzuerkennen. Vor dem Hintergrund der Entfremdung des Denkens und der Rationalisierung des Wissens nehmen die künstlerischen Beiträge Abstand vom Fortschrittsgedanken eines durch Technisierung beschleunigten Referenzialismus.

Die Arbeiten ergründen Praxen der Imitation, Übersetzung und Wiederholung, untersuchen, inwieweit sich ein Begehren nach Authentizität, Originalität oder Essenz im Nachstellen von Vorbildern ausdrückt. Über einen medialen Umweg und im regressiven Rückgriff auf einfache, teils analoge Formate künstlicher Scheinwirkung wie fiktionale Settings, Fakes oder Kopien, erzeugen die Arbeiten Distanzen, die aber weder so etwas wie Autorität noch einen neutralen Analysestandpunkt etablieren wollen. Ihr Ziel ist es auch nicht, Inszenierungen als solche zu entlarven. Vielmehr ergeben sich aus ihnen anachronistische Qualitäten und teilweise Provokationen des Unvorhersehbaren.

Anstelle hierbei aber ,produktiv‘ im Sinne eines postfordistischen Innovations- oder Keativitätsimperativs zu werden und Neues über Effekte des Zufälligen zu generieren, entstehen Momente eines Als-Ob und lösen sich gleichzeitig auf. Dabei bergen die Arbeiten Potenziale zerstörender Elemente ihrer eigenen Realität. Sie brechen sich mit ihrer eigenen Kontingenz, ihrem Anspruch darauf, mit sich selbst Eins zu sein, und verhalten sich so innerhalb postmoderner Paradoxien zu Originalitäts- und Wahrheitskonzepten, deren sozialen und politischen Implikationen, genauso wie zu einem Kunstsystem, welches auf die Konstruktion, Eventisierung und Mystifizierung bestimmter Subjekttypen angewiesen zu sein scheint.

Das Konzept der Ausstellung vermeidet dabei gerade jenen Werke, die selber gegen Formen von essentialistischer Konzeption gerichtet sind, eine eindimensionale Lesart interpretativ aufzuzwingen, um die Integrität und die Brüche zwischen den einzelnen Arbeiten zu bewahren, anstatt die Kontinuität eines Sinnzusammenhangs in den Vordergrund zu stellen.


Unterstützt von:

bm:ukk
ERSTE Foundation
Allianz Kulturstiftung
Stadt Wien - Kulturabteilung MA 7
MA 7 - Interkulturelle und Internationale Aktivitäten
Stadt Wien - Film, Kino, Neue Medien
Europäisches Künstlerhaus Oberbayern

In Zusammenarbeit mit:

Istanbul Bilgi University




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