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Dislokationen – die Wüste des Sozialen

Status Artistic Survey: Film- und Video-Screening
22. Dezember 2016, 19.00 UHR

Kuratiert von Aneta Stojnić

Mit Steven Ball & Rastko Novaković; Marina Gržinić & Aina Šmid; Sophie Hoyle

Ort: Raum D / Q21/ MuseumsQuartier Wien

http://www.q21.at


Dieses Screening-Programm erkundet das Thema Dislokationen – die Wüste des Sozialen und befasst sich mit der totalen Zerstörung, die als Resultat der neoliberalen Prozesse auftritt, oder präziser gesagt, des Nekrokapitalismus, des Faschismus und des Rassismus / rassistischer Zuschreibungen, die Realitäten in Europa sind, wie auch mit der Reflexion globaler Machtbeziehungen. Die drei Filme in diesem Programm hinterfragen die Möglichkeiten des Kampfes (Klassen-, Rassen- und Geschlechterkampf) und / oder welche neuen politischen Subjektivitäten unter solchen Bedingungen entstehen könnten. Nicht nur inhaltlich, sondern auch im Hinblick auf die spezifischen Formate und künstlerischen und Forschungsstrategien, die eingesetzt werden, erkundet jede der präsentierten Arbeiten in diesem dichten Programm relevante künstlerische, theoretische und kinematografische Reaktionen auf aktuelle Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Betonherzland (2014, 25’) von Steven Ball & Rastko Novaković deckt die sozialen Säuberungsaktionen im Heygate Estate in Elephant and Castle, Süd-London auf. Der Film dokumentiert den Augenblick, als die Anlage schließlich für den sozialen Wohnbau verlorenging, um einem ungerechten, Erneuerungsprojekt‘ Platz zu machen. Aus 12 Jahren Archivmaterialien zusammengestellt werden Panorama-Videoaufnahmen des Geländes und Innenaufnahmen einiger der Heygate-Wohnungen, die 2012 und 2013 gefilmt wurden, wie auch Aufnahmen verschiedener Sektionen einer Performance, die 2012 in der damals noch bewohnten Anlage aufgenommen wurden, gezeigt — die Film zeichnet die Kämpfe der lokalen Gemeinde darum auf, ihre Heime zu behalten, in dem Gebiet wohnen zu bleiben und die kommunalen Vorteile angesichts eines extremen Erschließungsdruckes zu erhalten. Im gesamten Film hören wir davon, wie sich die Gemeinde an einigen der entscheidenden Kämpfe mit gewählten Offiziellen, Planern und Anwälten in städtischen Planungssitzungen, öffentlichen Befragungen und Interviews beteiligt.

Inbesitznahme – Über das Neuschreiben von Gegengeschichten (2014, 25’) von Marina Gržinić und Aina Šmid ist ein experimentelles Dokumentarvideo, das in einem Format einen künstlerischen und kuratorischen Ansatz miteinander verbindet – eine Art kuratierter Videofilm. Dieser Film exponiert Handlungsmacht in einem Dialog mit verschiedenen weiblichen KünstlerInnen und ihren Filmen und spürt Verbindungen und Genealogien zwischen nur scheinbar unterschiedlichen Geschichten und Positionen nach. Der Film handelt von Modi zeitgenössischer künstlerischer Produktion genauso wie er sich mit den Verbindungen zwischen spezifischen AutorInnen und Poetiken befasst. Als solcher bietet er eine präzise theoretische und kuratorische Analyse an, indem er das Wissen darüber, was und wer die konstitutiven Elemente in der zeitgenössischen Kunst heute sind, in Frage stellt. Die Hauptfrage besteht darin, welche Art von Prozessen wir heute in diesen Paradigmen entdecken können und wie diese aktuellen künstlerischen und kulturellen Prozessen dienen oder sie behindern. Die Frage ist außerdem, ob es möglich ist, einige alte und neue Beziehungen in Film und politischem Aktivismus zu untergraben, umzudrehen oder neu zu denken.

Zusammenbruch: Arbeiten zeitgenössischer KünstlerInnen, welche die globale Arbeitsteilung untersuchen, (2014, 17’) von Sophie Hoyle ist ein experimentelles Videoessay, das eine dichte meta-theoretische Perspektive anbietet, die mit den verschiedenen, in den anderen beiden Filmen exponierten Aspekten im Einklang steht. Die Arbeit diskutiert die Themen Nekropolitik und Nekrokapitalismus, Technologie, Subjektivität wie auch Kritik an zeitgenössischer Kunst und theoretischen Trends, die eine Objektifizierung erfassen, ohne die globalen Produktionsketten und Arbeitsteilungen in der kapitalistischen Machtmatrix zu berücksichtigen. Indem sie den theoretischen Text und die Bilder so kombiniert, dass die bestehenden Darstellungsmodi in Frage gestellt werden – „Wie stellt man etwas dar, was nicht dargestellt werden kann?“ – hinterfragt Hoyle die Beziehungen zwischen künstlerischer theoretischer Praxis und Aktivismus, oder noch genauer, die Möglichkeiten und Beschränkungen der Kunst als sozialer Praxis.

Das Programm von Open Space wird unterstützt von:

Stadtteilkultur, Interkulturalität und Internationale Angelegenheiten
Kulturabteilung (Magistratsabteilung 7) – Bildende Kunst

Außerdem mit der freundlichen Unterstützung der Istanbul Bilgi University


Dislokationen – die Wüste des Sozialen



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