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Vorbemerkung der Herausgeberin

Open Systems freut sich, die erste Ausgabe seines vierteljährlich erscheinenden Online-Forums vorzulegen: Diese 1. Ausgabe vom Januar 2013 befasst sich als Schwerpunkt mit dem Verständnis des „Ausstellungsmachens“ und untersucht in diesem Rahmen die Wirksamkeit von Kritik in der Kunst. Oder konkret gefragt, welche möglichen Potenziale bestimmen die aktuelle, kreative Praxis, in der viele Modelle gleichzeitig existieren? Welche Arten der Zusammenarbeit und Erwartungen können entstehen? Wir werden uns dafür aktuelle Diskussionen zum Thema ansehen, die auch in einigen Teilantworten auf folgende Frage zur Sprache kommen: Was kommt nach der Kritik, ist dies die historische Septizität des Augenblicks? Hier sollten wir den neuen Institutionalismus und seine Kritik näher beleuchten.

Wir fragen nach der Notwendigkeit, all diese Veränderungen sichtbar zu machen, die eine Neuausrichtung der in der sich verändernden zeitgenössischen Landschaft kämpfenden Praktiken bewirken. „Zu den entscheidenden Möglichkeiten heutiger Kunst“, so argumentiert Brian Holmes, „gehört, geschichtliche, soziologische und wissenschaftliche Forschung mit einem Gefühl dafür zu kombinieren, auf welche Weise der kollektive Prozess durch die ästhetische Form beeinflusst werden kann, damit die Untersuchung de-normalisiert und sowohl kritische wie konstruktive Wege ermöglicht werden“, indem wir uns diesen doppelten Ansatz im Rahmen seines neuen Engagements in der jüngsten „partizipatorischen Wende“ [participatory shift] in der Kunst zunutze machen, wo dieser Zugang den Begriff der kommenden und werdenden Gemeinschaft formt. In ihrem erfrischenden Essay „Partizipatorische Kunst“ diskutierte Suzana Milevska insbesondere die Artikulation der „Aporien des »Wir«“, und stellt die These auf, dass in partizipatorischen Kunstpraktiken zwei weitere Widersprüche auftauchen:

• die Grenzen partizipatorischer und relationaler Kunsttheorien angesichts der postkolonialen Kritik an Kunst und kulturellen Institutionen

• die Dualität von Einbeziehung und Ausgrenzung sowie die Spannung zwischen ihren sozialen und politischen Definitionen in unterschiedlichen politischen Kontexten (z.B. in freiheitlichen Demokratien und Übergangsgesellschaften).“

Hier handelt es sich offensichtlich um eine Untersuchung dessen, was die Machtumkehr, die sich in der derzeitigen Situation vollzieht, ausmacht. Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die kreative Praxis sind bedeutsam, denn sie weisen auf neue Formen der Komplexität hin. Der kollektive Prozess und kollektive Multiplizitäten werden dabei aber dezentralisiert und relational bleiben können. Zu einer entscheidenden Strategie in diesem Zusammenhang gehört ein genaues Verständnis der Begriffe der Aporien des „Wir“ und der Subjekte, denen diese Strategie gilt. Die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Kunstpraxis sind somit weitreichend und beinhalten eine Ontologie multipler Welten, die zu einer Neuschöpfung und Neuerfindung des Subjekts selbst an einer Vielzahl von Orten und im Rahmen vieler Zugehörigkeiten führt.

Wie schon angedeutet besteht ein möglicher Ansatz darin, in Begriffen des „Politischen“ zu denken, insofern als dies auch auf positive Weise eine kritische Offenheit für den Pluralismus des politischen Gedankens selbst impliziert, welche sich in der Schaffung einer – so würden Deleuze und Guattari es nennen – neuen „politischen Subjektivität“ ausdrückt. Das Primat eines kritischen Zugangs macht die Dringlichkeit einer Frage deutlich, die sich jetzt in neuer Form stellt: Warum ist es wichtig zu argumentieren, dass Kunst als eine Gesamtheit von Formen des Politischen gesehen werden sollte in dem Prozess, eine dauerhafte Bresche für die kritische Untersuchung zu schaffen?

Simon Sheikhin meint dazu, dass – und ich stimme ihm zu – „wir anerkennen sollten, dass wir alle politisch arbeiten, allerdings mit einer unterschiedlichen Politik. Und zweitens ist Folgendes wichtig: Für all jene von uns, die glauben, dass wir eine sogenannte linke Politik betreiben, besteht die Herausforderung darin, unterschiedliche sich artikulierende Formen der Artikulation zu schaffen. Der Unterschied dieser Arten von Politik zu der „Politik wie gehabt“ sollte deutlich gemacht und Methoden entwickelt werden, welche diese Positionen klar machen.“

Die Textsammlung präsentiert somit einen Querschnitt durch die Denkansätze, welche in der aktuellen Debatte kursieren, einerseits darüber, wie und unter welchen Bedingungen das Kuratieren als eine kritische, kulturelle Praxis fungiert, und auf der anderen Seite, mit welchen Methodologien und Geschichten wir heute kuratorische Arbeit kritisch analysieren können.

Aus dem Englischen von Dörte Eliass

Unterstützt von:

bm:ukk
ERSTE Foundation
MA 7 – Interkulturelle und Internationale Aktivitäten
Stadt Wien - Film, Kino, Neue Medien

In Zusammenarbeit mit:

Istanbul Bilgi University






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