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Kunst und Politik?

Kooperacija »


Der Begriff Politik ist oft von Missverständnissen und Verwirrung umgeben. Politisch-sein impliziert nicht zwangsläufig eine Regierungsambition oder das Management sozio-ökonomischer Verhältnisse. Andererseits ist Kunst kein weniger problematisches Gebiet, wenn man sie in diesem Kontext betrachtet. Es handelt sich dabei um einen bestimmten und spezialisierten Diskurs, denn er kann als eine Gesamtheit der dialektischen Verschiebungen in verschiedenen künstlerischen Praktiken begriffen werden. Von einer gegenwärtigen Perspektive aus betrachtet, begrüßen wir insbesondere jene Traditionen, die auf eine Vergrößerung der Kommunikationsmöglichkeiten abzielen, und damit den Einfluss der Kunst bis ins Gewebe der sozialen Struktur ausdehnen. Das Ziel, eine Kunstplattform auf offenem Dialog aufzubauen, um ein breiteres Publikum zu erreichen, setzt auch die Notwendigkeit voraus, die innere Struktur der Kunst selbst fortwährend neu zu untersuchen und dabei die etablierten kulturellen Werte stets zu hinterfragen und zu dekonstruieren. Dementsprechend liegt der wichtigste Antrieb für die Aktivitäten von Kooperacija im Bedürfnis, auf die Ergebnisse einer solchen Untersuchung einzugehen und sie schließlich offenzulegen.

Da Politik der Kunst inne wohnt, gehen wir davon aus, dass jede Kunst in der Tat politisch ist. Und da KünstlerInnen, so wie alle Menschen politische Wesen sind, ist es nahezu unmöglich unpolitisch zu sein, insbesondere in einer Gesellschaft, die in Bezug auf Ethnizität, Glaubensvorstellungen, Parteilichkeit und den zunehmenden gewaltsamen Nationalismus zutiefst gespalten ist. Aufgrund der besonderen Umstände, die Mazedonien auf das Niveau eines populistischen und xenophobischen Autoritarismus herabgesetzt haben, sind so zentrale Belange wie Machtverteilung, Wahlfreiheit, Zensur, Nutzung des öffentlichen Raums oder die Dezentralisierung der kulturellen Netzwerke noch nicht thematisiert worden. Das allgemeine Vertrauensdefizit in demokratische Instrumente, die von den Politikern des Balkan durch aggressive Vermarktung und systematische Manipulation missbraucht wurden, hat deren Status wiederum auf das Niveau eines Personenkults gebracht. Die Politiker sind bekannt dafür, dass sie Kunst als Propagandainstrument benutzen, doch KünstlerInnen können die hinter solchen Strategien verborgenen Manipulationen erkennen und sind in der Lage, das Funktionieren dieser Mechanismen aufzudecken. Daher wird es zu einer Pflicht, diese und ähnliche Angelegenheiten mit allen Mitteln zu hinterfragen. In diesem Kontext wird Kunst tatsächlich zu einem mächtigen Werkzeug: Sie kann mit einfachen Mitteln starke Botschaften aussenden und damit eine große Wirkung erzielen.

Doch die Frage bleibt bestehen: Wie kann Kunst in der Gesellschaft tatsächlich als ein Instrument der Veränderung wirksam werden und als solche einen Unterschied markieren?

Welche sozialen/ethischen Werte liegen eurem Ansatz zugrunde? In welcher Weise seht ihr sie unterrepräsentiert oder missachtet? Welches sind die politischen Themen und sozio-politischen Herausforderungen, mit denen ihr euch derzeit beschäftigt?

Vor allem der Raum ist von zentraler Bedeutung. Zum Ausdruck von Sichtweisen und zur Überprüfung von etablierten Werten als Teil der zentralen Funktion in der modernen Gesellschaft braucht die zeitgenössische Kunst einen Raum oder einen Standort, sei es eine Galerie oder den öffentlichen Raum. Im heutigen Mazedonien ist das aufgrund des gegenwärtigen Zustands im Hinblick auf die kulturelle Infrastruktur keine einfache Aufgabe. Nachdem die nationalistisch-konservative Regierung die politische Macht in den öffentlichen Institutionen beinahe vollständig übernommen hatte, begann sie aufgrund ihrer neoliberalen Ambitionen aggressive populistische Methoden einzusetzen und erklärte schließlich grundsätzlich jeder Idee von Pluralismus und dem oppositionellen Denken aller Art den Krieg, einschließlich der kritischen Kunst. Diese Politik führte infolge zu einer massiven Kampagne für die Revitalisierung von angeblich traditionellen Werten. Das Kernstück dieses Projekts besteht in der radikalen Veränderung der Hauptstadt Skopje, die in drei Jahren mit verblüffender Geschwindigkeit durchgeführt wurde. Sie verschlang etwa eine halbe Milliarde Euro aus dem nationalen Budget und machte die ohnedies bereits gespaltene Gesellschaft noch ärmer, noch isolierter und vergrößerte die Uneinigkeit. Ironischerweise versetzte die Absicht, die historische Identität des Landes zu verstärken, die Bevölkerung in wirres Durcheinander und völlige Verbitterung. Die Übernahme der öffentlichen und institutionalisierten Räume ließ der Stimme der zeitgenössischen Kunst (oder jeder anderen demokratischen Tendenz in dieser Hinsicht) nicht mehr viele Möglichkeiten offen, um sich Gehör zu verschaffen. Es wurde notwendig, einen autonomen Raum zu verkünden, um der Kunst als eine relevante Triebkraft der Gesellschaft wieder Anerkennung zu verschaffen. Kooperacija entschloss sich dazu, in genau dieser Lücke eines noch nicht abgesteckten Territoriums tätig zu werden.

Es wurde zu einer Priorität, besondere Themen anzusprechen, um die Paradoxien des devianten politischen Systems zu reflektieren. Falls lokale Intellektuelle und KünstlerInnen zur geschickten Neu-Interpretation der Geschichte und zur Inbesitznahme des öffentlichen Eigentums etwas zu sagen hatten, dann konnte das nicht in den etablierten Kulturinstitutionen erfolgen, da diese buchstäblich alle unter der strengen Kontrolle der herrschenden „Elite“ stehen. Die staatliche Kontrolle der öffentlichen Medien und der Presse, ein korruptes Justizsystem etc., haben die verbleibenden Möglichkeiten einer demokratischen Antwort noch weiter eingeschränkt. Zahlreiche KünstlerInnen in Mazedonien sehen daher jetzt die Notwendigkeit, sich nicht nur Fragen im Hinblick auf die Identität im Kontext des globalen Kapitalismus zu stellen, sondern tragen darüber hinaus auch die Last der Aufgabe, die gegenwärtigen lokalen, totalitären Narrative zu entmystifizieren und zu dekonstruieren. Diese entwickeln sich in eine Richtung, die dem entspricht, was Zarana Papic zu Recht als „Turbo-Faschismus“ bezeichnet.

Innerhalb der Aktivitäten als einer informellen KünstlerInnen-KuratorInnen Initiative geht es Kooperacija darum, genau diese Themen anzusprechen und dabei zu versuchen, die herrschenden Narrative der Macht, die sich in einen gefährlichen und rückschrittlichen Anti-Diskurs zu verwandeln beginnen, zu dekonstruieren. Mit der bewussten Entscheidung unabhängig und außerhalb der Strategien des „nationalen Interesses“ von unterwürfigen öffentlichen Institutionen und geschwächten NGOs zu handeln, haben sich die KünstlerInnen von Kooperacija dafür entschieden, Fragen in Angriff zu nehmen, von denen sie annehmen, dass sie dazu beitragen, ein Licht auf die Aspekte dieser Realitätsverzerrung zu werfen, und damit zu einem besseren Verständnis der Entstehung beizutragen. In öffentlichen Ausstellungen, Präsentationen und offenen Debatten über Politik und Kunst, Kunstkritik, öffentlicher Raum etc., stellte sich heraus, dass es dabei scheinbar um etwas ging, das die kulturelle Gesellschaft dringend benötigte.

Warum Kunst?

Neben der Anregung zur Produktion von völlig neuen und anspruchsvollen Kunstwerken liegt die hauptsächliche Stärke von Kooperacija in einer ziemlich einzigartigen Strategie für einen gut funktionierenden Betrieb außerhalb des Umkreises der ideologisch verseuchten institutionellen Rahmenbedingungen. Die Aktivitäten basieren auf dem nomadischen Prinzip der Verschiebung des Engagements weg vom Zentrum und hin zu den Rändern der Gesellschaft, an denen freie Meinungsäußerung und politische Ansichten derzeit Zuflucht genommen haben. Da Mobilität und Subversion in einem solchen Kontext zum Privileg wird, ist es wichtig, diesen Diskurs aufrecht zu erhalten, damit die Botschaft klar und deutlich wird.

Kooperacija kann auch als ein experimentelles Modell begriffen werden, da immer wieder die Frage auftaucht, ob es sich bei dem, wovon wir sprechen, überhaupt um Kunst handelt. Einer der Gründe, warum Kooperacija kein Kunstkollektiv ist, sondern darauf besteht als Initiative zu operieren, liegt genau darin, dass die zentrale Funktion von Kooperacija nicht so sehr auf einem besonderen Programm beruht, sondern vielmehr unterschiedliche Möglichkeiten vorschlägt, um verschiedene gesellschaftliche Probleme mit den Mitteln einer Kunst zu begegnen, die auf kritischem Denken und konkreter Aktion beruht. Es handelt sich um eine urheberrechtsfreie Idee, die darum bemüht ist, in alle zugänglichen Poren der Gesellschaft einzudringen, die von der vulgären Politik noch nicht korrumpiert worden sind, und zu diesem Zweck werden mit künstlerischen Mitteln politische Fragen gestellt. Das ist wohl auch der Grund, warum sich Kooperacija stets der Formalisierung der Existenz durch die Registrierung als eine der zahllosen und ineffizienten Nicht-Regierungsorganisationen in Mazedonien widersetzt hat, und warum Kooperacija es noch immer bevorzugt, sich mit den Gründen des Totalitarismus auseinanderzusetzen, und nicht mit seinen Symptomen.

Taktiken

Kooperacija basiert auf Zusammenarbeit. Das ist von zentraler Bedeutung, da es mit der aktuellen Taktik zusammenhängt, die in unseren bisherigen Arbeit zum Einsatz gekommen ist. Die Gründung dieser Initiative begann mit der Neugruppierung von einigen bereits anerkannten KünstlerInnen, die von der Schwerfälligkeit der Kulturinstitutionen enttäuscht waren, die – begraben von der Bürokratie – formalistische, politisch korrekte und damit langweilige und dekorative Kunst bevorzugen. Es ging damals um die Suche nach einem alternativen Ausstellungsort. Die wirtschaftliche Krise verursachte den Leerstand von vielen privaten Verkaufsräumlichkeiten, Läden und Büros, und das nährte die Idee, dass solche vorübergehend disponiblen Räume als Kurzzeit-Galerieräume genutzt werden könnten, etwa als pop-up Galerien oder Veranstaltungsstätten. Die Dauer der Ausstellungen sollte zwischen ein paar Tagen, manchmal nur ein paar Stunden, bis hin zu mehreren Wochen liegen, je nachdem, welche Übereinkünfte mit den BesitzerInnen getroffen wurden, stets aber ohne Mietkosten. Dieser Ansatz wurde zum Zentrum des Dialogprozesses zwischen den KünstlerInnen und dem Publikum, denn er bot nicht nur eine alternative Form zur Betrachtung von zeitgenössischer Kunst, sondern führte auch eine neue Perspektive im Umgang mit der sich dramatisch verändernden urbanen Umgebung ein, die systematisch um die Dimension eines gemeinschaftlichen Raums gebracht worden war. Im Verlauf von fast zwei Jahren und 15 Veranstaltungen wurde dieses Unternehmen auf ziemlich unorthodoxe Art und Weise möglich gemacht, die neben den zur Verfügung stehenden Mitteln auch die Fähigkeit mit einschloss, visuelle Sprache geschickt einzusetzen.

Die Ausstellung „Wo sind Alle?“ (März 2013) ist ein gutes Beispiel dafür. Die ursprüngliche Idee ist aus den Folgen der brutalen Intervention der Sicherheitskräfte ins Mazedonische Parlament (am 24. Dezember 2012) abgeleitet. Die jüngsten Regierungsmaßnahmen, die Sanktionen für die kritische Arbeit von Journalisten vorsehen, haben die verheerenden Bedingungen, die für Medien bereits bestanden, nur verschlimmert. Kooperacija plante damals bereits eine Ausstellung, die sich der Frage nach dem schmalen Grat zwischen Kunst und Politik widmete. Auf der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsraum entdeckten wir ein verfügbares und leeres, etwa 150 m² großes Büro. Obwohl es aufgrund von unbezahlten Rechnungen keinen Strom gab, entschied sich Kooperacija bewusst dafür, den Plan mit leichten Veränderungen am anfänglichen Konzept weiterzuverfolgen. Die Ausstellung sollte nur eine Nacht dauern und alle KünstlerInnen mussten selbst einen Weg finden, um ihre Kunstwerke zu beleuchten. Bestimmt führte dieser Umstand schließlich zur Produktion von völlig neuen, site-spezifischen Kunstwerken. Mit einer Karte des Ausstellungsraumes ausgestattet, würde das Publikum die Werke in den weitläufigen Gängen suchen und dabei in völliger Dunkelheit aufeinanderprallen – eine präzise Metapher der Gesellschaft, in der wir leben. Anderntags veranstaltete Kooperacija am selben Ort die offene Debatte Kunst und/oder Politik: Die doppelte Codierung als Herausforderung oder als Paradox .

Da die Politik heute dazu neigt, nahezu alle Aspekte der Gesellschaft zu infiltrieren und zu kontrollieren, ist Kooperacija davon überzeugt, dass dies in der Kunst als Vorteil genutzt werden kann. In Abhängigkeit zur Aussage ist gewissermaßen alles dazu bestimmt, zum Material oder Instrument eines Kunstwerks zu werden. Und unter solchen Umständen gibt es bestimmt immer etwas, das ausgesagt werden muss.

Kunst im derzeitigen sozio-politischen Diskurs in Mazedonien

Im Allgemeinen besteht ein grundlegendes Missverständnis darin, dass kritische Kunst a priori als Gegensatz zu politischen Agenden begriffen wird. Daraus resultiert der paranoide Drang, kritische Kunst als solche zu diskreditieren und zu eliminieren. Die Konservativen und Traditionalisten als Repräsentanten einer Strömung zur Wiederbelebung von längst verschwundenen großen Erzählungen drängen noch immer darauf, kritische Kunst vom öffentlichen Bereich fernzuhalten. Sie reduzieren kritische Kunst damit auf das Symbolische und sperren sie als solche hinter die Mauern von offiziellen Galerien und Museen, die Teil des Staatsapparates bilden. Neben dem Versuch der Regierung die Medien zu unterdrücken, besteht auch das brennende Problem der Zensur von Kunstwerken. Obwohl man das paradoxerweise als etwas Gutes betrachten könnte, da es zeigt, dass Kunst tatsächlich einen Nerv treffen kann, so bleiben die KünstlerInnen, wenn sie individuell ausgestellt werden, doch verletzbar und einem hohen Maß an Druck unterworfen. Die kollektive Arbeit kann solche Hindernisse ein wenig abfedern. So äußerte sich beispielsweise Kooperacija im Mai 2012 als betroffene Stimme durch die eigenen Kanäle, um die Zerstörung eines öffentlichen Kunstwerks zu verurteilen, das von zwei Mitgliedern stammte. Der Ruf nach Gerechtigkeit wurde von den Medien im In- und Ausland aufgenommen und auf die lokalen Autoritäten mit der Anklage zurückgeworfen, verfassungsmäßige Rechte zu brechen. Die lokalen Autoritäten gaben das später widerwillig zu. Das war ein riesiger Schritt für eine Kunstinitiative, die gerade angefangen hatte.

Was bedeutet die Beziehung der ehemaligen jugoslawischen Länder zur Europäischen Union für eure künstlerische Praxis?

In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert. Jedes Land hat nun völlig unterschiedliche Themen zu bewältigen und ihre Beziehungen zur EU unterscheiden sich auch in dieser Hinsicht. Für Mazedonien ist die EU zu einem unerreichbaren Ziel geworden, zu einem gelobten Land voller Chancen und unerfüllten Wünschen, wahrhaft zu einer Art Utopia. Die EU wird als Ausrede für lokale politische Manipulationen benutzt, die in die völlige Stagnation führen und sie dient darüber hinaus als Entschuldigung für verschiedene innere Probleme. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass diese Gesellschaft nicht in der Lage ist, mit der Gegenwart kritisch umzugehen, und das ist vermutlich der wichtigste Grund, der uns zu Gefangenen historischer Nebelbänke macht. Das wiederum lässt genug Raum für eine konstante historische Manipulation durch die Politiker zugunsten ihrer eigenen Programme und hat verheerende Konsequenzen für die mazedonische Gesellschaft.

Wir sollten dennoch das positive Legat der historischen Avantgarde seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts betrachten und deren historische Errungenschaften, insbesondere nach den Bewegungen der 1960er, als eine signifikante Anzahl von bedeutenden KünstlerInnen ein Potential zur Beseitigung der Grenzen zwischen Kunst und Leben aufdeckte. Im Namen einer hohen moralischen Haltung und mit dem Nachweis der Bereitschaft, die im Verlauf der Moderne mühsam eroberte Autonomie der Kunst zu opfern, lehnten sie elitäre Positionen im Namen der sozialen Gleichheit ab. Die KünstlerInnen, die in Kooperacija und darum herum tätig sind, bewundern diese Errungenschaften und versuchen diese Traditionen in irgendeiner Weise wieder zum Leben zu erwecken. Dafür unternehmen sie den Versuch, diese Traditionen im gegenwärtigen Kontext der neuen Herausforderungen, die sie vor sich haben, wieder zu beleben oder wieder zu erfinden.

Es gibt Leute, die Kooperacija als einen direkten Angriff auf die Institutionen und ihre offiziellen Kulturprogramme begreifen, und das ist bis zu einem gewissen Grad richtig. Doch es ist eine simple Tatsache, dass manche der von dieser Initiative organisierten Projekte innerhalb des konservativen Kontexts der staatlich kontrollierten Institutionen praktisch undurchführbar gewesen wären. Für viele KünstlerInnen, insbesondere jene, die sich des sozio-politischen Kontextes, in dem sie arbeiten, genau bewusst sind, ist es inakzeptabel von Institutionen ausgebeutet zu werden, nur damit diese ihre festgelegten Programmierungsvorgaben erreichen und damit ihre Existenz als solche rechtfertigen. Die absurde Agenda, die auf einer überkommenen Trägheit beruht und keinerlei Anstrengung zu einer radikalen Veränderung im Hinblick auf die gegenwärtigen Bedürfnisse unternimmt, stellt das zentrale Thema für eine kritische Untersuchung dar. Daher tragen wir nun die Verantwortung dafür, diese Praxis als eine relevante Alternative in der Hoffnung weiter zu führen, dass sie andere dazu beeinflusst und inspiriert, diese so einzigartige flexible Plattform anzunehmen und schließlich neue zu schaffen.

Wie sieht euer Ausblick auf die Zukunft aus?

Es bestehen berechtigte Zweifel daran, dass es derzeit irgendwelche Kapazitäten oder kompetente Individuen gibt, die in der Lage sind, die für Demokratie notwendigen Bedingungen zu schaffen. Noch die kleinsten Anzeichen von Autoritarismus können als Weg zu einem nicht-politischen Regime betrachtet werden. Unter solchen Umständen ist üblicherweise die Idee der Öffentlichkeit selbst in Frage gestellt. Kunst beruht auf der öffentlichen Präsentation, daher findet sie sich im Zentrum des Problems wieder. Daher besteht die grundsätzliche Annahme darin, dass Mazedoniens Zukunft düster sein wird, wenn wir alle zur Seite treten und nichts unternehmen. Insofern die KünstlerInnen als öffentliche Intellektuelle davon betroffen sind, besteht tatsächlich keine andere Alternative als die Aktion mittels öffentlichem Bereich, und damit mittels Kunst.

Aus dem Englischen von Tom Waibel



Kurzbiographie:

Kooperacija ist eine 2012 von Gjorgje Jovanovik, Filip Jovanovski, OPA (Obsessive Possessive Aggression), Igor Toshevski und Nikola Uzunovski in Skopje, Mazedonien, gegründete Kunstinitiative. Als selbstorganisiertes, informelles Kollektiv bestand das Hauptziel von Kooperacija darin, kritische Kunst auf alternativem Weg als Reaktion auf die komplexe, politische Situation und den erstickten Zustand der Kulturinstitutionen in Mazedonien zu fördern und zu produzieren. Die Strategie der Initiative ist es, in Räumen auszustellen, die sich in Privatbesitz befinden und die nur temporär zugänglich sind, wie Apartments, Büros und zu mietende Lagerräume. Diese nomadische Ansatz erwies sich als gelungene Gründung einer neuen Plattform, die auf einem kritischen Ansatz nicht nur für den Bereich der visuellen Präsentation, sondern auch durch öffentliche Debatten, kollaborative Handlungen und künstlerische Präsentationen basierte.

Die Ausstellungen gründen sich auf Themen, die den aktuellen, vorrangig wichtigen sozio-politischen Themen der Gemeinschaft entsprechen. Die erste Show, „800 Revolutions per Minute“ fand in einem Laundromat in Privatbesitz im April 2012 statt. Seit damals haben eine Zahl anderer relevanter KünstlerInnen an verschiedenen Orten an den Aktivitäten teilgenommen, mit unterschiedlichen Themen: „EPP (Economic Propaganda Messages)“ befasste sich mit Pop-Kultur und Kitsch; „Personal Policies“ thematisierte eine Haltung gegenüber kollektiven Traumata und politischer (ideologischer) Manipulation; „Where is Everyone?“ wurde wörtlich im Dunkeln inszeniert (ohne Licht) als Parabel auf die verheerenden Bedingungen bezüglich der unterdrückten freien Rede und der öffentlichen Medien im Land, usw. Das kollektive Projekt „Кapital“, produziert für den Jahrestag von „Jadro (Association of the Independent Cultural Scene)“ griff bewusst die Methoden der politischen Parteien an, Stimmen bei lokalen Wahlen zu kaufen. Gleichzeitig sollte es die Mechanismen der Finanzierung von Kunst offenlegen.

Kooperacijas Aktivitäten haben sich inzwischen als soziale Events etabliert, welche das Interesse vieler junger KünstlerInnen wecken. Neben der Organisation ihrer eigenen Ausstellungen und Debatten nimmt „Kooperacija“ an Seminaren und Präsentationen auf regionaler Ebene teil. Der Aspekt der Produktion von „Kooperacija“ ist erwähnenswert: Viele der Arbeiten, die zum ersten Mal in den Ausstellungen von Kooperacija gezeigt wurden, wurden bereits mit hohen Auszeichnungen prämiert oder haben bereits an anderen internationalen Ausstellungen teilgenommen, was Kooperacijas wesentliche Rolle bei der Gestaltung des kulturellen Erbes in der zeitgenössischen Kunstszene Mazedoniens unterstreicht.





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