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THE TEMPORARY ZONES

AUSTELLUNGSDAUER: 10. Jänner - 9. Februar 2008


PROJEKTKURATORIN:GULSEN BAL »

Open Space - Zentrum für Kunstprojekte startet sein Ausstellungsprogramm mit The Temporary Zones, einem von der Gründerin und Direktorin des Open Space - Zentrum für Kunstprojekte, Gulsen Bal, konzipierten und kuratierten Projekts

Teilnehmende KünstlerInnen:

Ergin Çavusoglu
Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer
Nada Prlja

Gespräch/Diskussion:

Ein Künstlergespräch, geleitet von Gülsen Bal, mit einer Einführung von Thomas Jelinek, dem künstlerischen Leiter der LABfactory


Die Ausstellung bietet Raum zur Erforschung aktueller Verhältnisse, die sich im Kontext von Behauptungen zu den Themen Konflikt und Verhandlung innerhalb spezifischer kultureller Kontexte bewegen. Die Fokussierung des Projekts auf den „Raum der aktuellen Verhältnisse“ erlaubt die Auseinandersetzung mit einen Raum, in dem Übergangsbedingungen und globalisierte Abläufe bestimmbar werden, deren zeitliche Konstruktion den Eindruck einer Auslöschung aller Geheimnisse und Widersprüche vermittelt. In einer instabilen Welt stellt das Aufzeichnen von grenzüberschreitenden Dialogen einen bedeutenden Moment dar.

Die Arbeiten der beteiligten KünstlerInnen lassen uns auf ihre jeweils spezifische Art tiefer in komplexe Machtbeziehungen blicken und schaffen neue Übergänge in einem festgelegten, quasi-zugänglichen Raum, der innerhalb des Feldes kreativer Praxis liegt.

Eine Podiumsdiskussion zum Thema mit den beteiligten KünstlerInnen begleitet die Ausstellung.


ERGIN ÇAVUSOGLU

ERGIN ÇAVUSOGLU Link

Empire (after Andy Warhol), 2007

Einkanalvideo, 26'04"

Ergin Çavusoglu ist für seine gefühlvoll-verstörenden Videoinstallationen bekannt, die unser Raumempfinden rekonstituieren und unser Verständnis von Ort und Identität in einer durch Mobilität gekennzeichneten globalisierten Gesellschaft hinterfragen.

Seine aktuelle Videoarbeit Empire (after Andy Warhol) ist die Umdeutung eines gewöhnlichen Hauses hinsichtlich der Darstellung einer ikonisierten Struktur im Wandel vom Globalen zum Lokalen. Im Vergleich zum titelgebenden Film Empire von Andy Warhol, der in einer einzigen, 8 Stunden und 6 Minuten dauernden Einstellung des Empire State Buildings den Übergang vom Tag zur Nacht aufzeichnet, hallt in Çavusoglus Video mehr der mit Vorstellungen von zeitlicher und räumlicher Dauer verknüpfte „Raum der aktuellen Verhältnisse“ wider. Die Auffassungen über häusliche Behaglichkeit werden durch einen beharrlich-schonungslosen Blick erschüttert.

In der statischen Einstellung auf einen Wohnblock und seine Umgebung zeichnet Çavusoglus Film den Übergang vom Tag zur Nacht auf und schafft damit die Umdeutung eines trotz seiner Merkwürdigkeit erhalten gebliebenen Minaretts, das durch das Dach des Gebäudes hindurchragt. Die Wohnungen des Blocks, der vor einem Vierteljahrhundert in Karabük/Türkei erbaut wurde, sind bis heute bewohnt, wobei sich der Haupttrakt der Moschee mit dem Gebetsraum im Untergeschoß des Gebäudes befindet.

Die Beleuchtung erlischt plötzlich. Im Moment der Abschaltung entsteht ein anderes Register. Wir werden Zeugen eines Anderen, „einer anderen Wahrheit“.


PETER MÖRTENBÖCK & HELGE MOOSHAMMER

PETER MÖRTENBÖCK & HELGE MOOSHAMMER Link

Zu Gast bei Stalin, 2007

Fotografien und Zeichnungen

Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer beschäftigen sich in ihren Arbeiten zu den kulturellen Transformationen unserer heutigen Welt mit den Potenzialen und Effekten von vernetzten Raumpraxen. An Schauplätzen geokultureller Konflikte und sozialer Konfrontationen folgen sie dem Wissen, das in diesen neuen Formen sozialräumlicher Organisation und in Gruppenaktionen steckt.

Dabei werfen sie Fragen auf, wie das Entstehen von vernetzten Kulturen die Formen unseres Zusammenlebens verändert hat und wie wir unsere Lebensräume gegenüber einer globalisierten Welt der Flüsse erfahren und produzieren.

Die Bildgeschichte Visiting Stalin porträtiert diese Zeichen und Symbole kultureller Hybridisierung und ökonomischer Überlagerung in einer globalisierten Stadt wie Moskau. Visiting Stalin spürt den unzähligen Geschichten rund um das Gelände des ehemaligen Stalin-Stadions in Moskau-Izmailovo, das heute eine innere Leere im ausufernden Cherkizovsky-Markt bildet, nach. Der Markt selbst ist dreimal so groß wie Moskaus Kreml und versorgt Russlands neue Milliardäre ebenso wie Tausende Migranten aus Tadschikistan, Usbekistan, China und dem erweiterten Südost-Asien, die auf dem Markt eine Beschäftigung als Standaufpasser, Träger oder Teeverkäufer suchen. Stellen diese informellen Märkte eine dynamische Kraft dar, die neue Formen kollektiven Austauschs erzeugen? Wie verhält sich dieser Prozess zu den Ästhetiken der Produktion neuer sozialer Ordnung?

Wiewohl diese experimentellen Strukturen hochgradig instabil sind, hinterlassen sie Spuren im Gewebe der Stadt. Sie verschieben Bilder, Gedanken und Werte zwischen verschiedenen Welten. Mit ihren improvisierten Technologien, Infrastrukturen und Raumpolitiken erzeugen sie Öffnungen für neue urbane Situationen und neue Verbindungen zwischen dem Lokalen und dem Globalen.


NADA PRLJA

NADA PRLJA Link

Die Rechte, 2007

Mehrkanalvideo, Sound Laufzeit: verschieden

THE RIGHTS, I AM MACEDONIAN, THE RIGHTS, I AM ROMANIAN, THE RIGHTS, I AM TURKISH, THE RIGHTS, I AM SERBIAN, etc.

In ihrer Videoreihe The Rights („Die Rechte“) hat Nada Prlja Kinder aufgenommen, die die europäische „Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten“ vorlesen. Die Form, in der dies geschieht, legt ein völliges Fehlen solchen Schutzes nahe, womit die Komplexität, die den Themen der Immigration und der EU-Politik hinsichtlich der Grenzen eines „Neuen Europas“ innewohnt, enthüllt wird.

Indem sie ihr Augenmerk auf konkrete kulturelle Verhältnisse richtet, schafft Prjla einen Raum, der die Übergangsbedingungen zwischen den neuen topologischen Zonen von Ausschluss und Aufnahme erkennbar macht. The Rights entwickelt seine Wirkung mit der Absorption der Ergebnisse seines Umgestaltungspotenzials, in dem die Kulturgegenstände innerhalb eines Paradigmas produziert werden, das alltägliche Orte und Situationen vorstellt. Die Untersuchung bringt eine zerrissene Zeitlichkeit hervor, die die Doppelbödigkeit der Situation aufdeckt. Die hier aufgeworfene Frage verweist so auf eine experimentelle Dynamik außerhalb der Grenzlinien der Repräsentation, die Verbindungen gesellschaftlicher Kräfte jenseits der Diskurskonstruktionen, die im Kern derer, „die sprechen“ liegen, definieren.

Der Raum der aktuellen Verhältnisse bringt uns dazu, unsere Aufmerksamkeit auf einen Prozess zu richten, der differenzierte Strukturen mit transitorischer Charakteristik erzeugt – ein „Da-zwischen-sein“. Ein ungewisser Übergang, wie er sich in The Rights manifestiert, löst die Begegnung mit einer Situation aus, die als Norm von außen auf die Situation am Rande einer bestimmten Repräsentationsmatrix wirkt, während gleichzeitig jener Moment, der das „Andere“ Europas durch seine Vielzahl einzelner Identitäten spiegelt, auf dramatische Weise eingefangen wird.


Unterstützt von:

Interkulturelle und internationale Aktivitäten
Stadt Wien - Kulturabteilung MA 7

In Zusammenarbeit mit:

LABfactory




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