english version
grafisches Element

Ist dies alles?

AUSTELLUNGSDAUER: 18. November - 15. Dezember 2011

ERÖFFNUNG: 17. November 2011, 19.00-21.30 UHR

PROJEKTKURATORINNEN:Gulsen Bal & Alenka GregoriĆ

Teilnehmende KünstlerInnen:

Guy Ben-Ner
Ibro Hasanović
IRWIN
Milica Tomić

In Zusammenarbeit mit der VIENNA ART WEEK

Gespräch am runden Tisch/Diskussion: No(W)Here mit Nermin Saybaşılı
19 November, 17.00 Uhr

Ort: Open Space, Open Systems

Eine Publikation bei Intellect Publications, UK, wird das Projekt begleiten:

Sonderausgabe: Is this all there is? (erscheint im Dezember 2011)
Journal of Visual Art Practice
Herausgeber: Christopher Smith
Gastherausgeberin: Gülsen Bal
Gastmitherausgeberin: Alenka Gregorič


Wie können wir die Idee, die mit dem Problem der Souveränität und territorialen Integrität, welche die 1955 gegründete Blockfreien-Bewegung anreißt, mit der heutigen Gesellschaft in Beziehung setzen? Wie also lassen sich die geschichtlichen Wurzeln der Blockfreiheit lesen? Wie können wir dem Mechanismus entgehen, immer entweder im Osten oder Westen oder/und im Norden oder Süden platziert zu werden, ohne dass wir irgendeinen Einfluss auf die grundlegende Tatsache des Geburtsortes hätten? Grundlegende Fakten lassen sich nicht ignorieren, aber wir selbst können entscheiden, dass wir nicht mit einer fertigen Tatsache konfrontiert werden wollen. Ist es möglich, damit zu beginnen, blockfrei zu agieren … nicht irgendwo, sondern überall zu sein?

Hier sollten wir uns den Analysen zuwenden, die als „East reading East” kodiert sind, in der Hoffnung, die Problematik zu offenbaren, die in ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die politische Praxis entsteht. Aus diesem Grund zielt das Projekt darauf ab, neue Konzepte zu schaffen in seiner Referenz auf „neue, liminale Praktiken, [welche] das soziale Feld für die Möglichkeit vielfältiger Instantiierungen eröffnen [...] und so die Nähebeziehung zwischen der Erzeugung von Werten und der Produktion von Subjektivität sicherstellen, zwischen dem Sein als Differenz und der Subjektivität als prozessualer und flüchtiger Aktualisierung”. Wie ist es dann möglich, sich über den Bereich der Repräsentation hinaus zu bewegen, in dem die Beziehungen der Handlungsmacht zur Anerkennung von Unbestimmtheiten konzipiert werden?


Guy Ben-Ner

Guy Ben-Ner Link

Stealing Beauty, 2008

Video, 18"201'

Stealing Beauty (dt. Gefühl und Verführung) wurde ohne Genehmigung in zahlreichen IKEA-Märkten rund um New York, Berlin und Tel Aviv aufgenommen. In dem Film bewohnen die Ben-Ners ganz natürlich idealisierte Ausstellungseinrichtungen, in denen Preisschilder von den Möbeln hängen und EinkäuferInnen gelegentlich den Alltag der Familie unterbrechen. Wegen der flüchtigen Art des Filmens wird die traditionelle cinematografische Kontinuität aufgegeben, und die veränderlichen Sets dienen als Ersatz für ihr Zuhause. Die Erzählung bleibt jedoch linear, wenn der Vater Lebenslehren über die Themen des wirtschaftlichen Austausches, der Bedeutung von Privateigentum, Ethik und familiärer Liebe erteilt, was schließlich zum rebellischen Manifesto der Kinder führt.

Die eigentliche Handlung des Films – im Rahmen derer der Künstler Ikea-Musterräume (in Märkten in Israel, Deutschland und den Vereinigten Staaten) als Versatzstücke für seine lose als Drehbuch geschriebene Sitcom verwendet und Footage stiehlt, bevor er herausgejagt wird – sagt uns alles über sein Verständnis von freiem Handel und internationalen Mega-Gesellschaften.

Mit Genehmigung des Künstlers und der Konrad Fischer Galerie (Düsseldorf)


Ibro Hasanović

Ibro Hasanović Link

Attempt of Being, 2006

Video, 11"26'

In seiner Video-Arbeit Attempt of being... sitzt Hasanović in einem Grasfeld und liest spontan Sidonie – Gabrielle Colettes Buch L’Ingénue libertine (The Gentle Libertine, 1909.) auf Französisch, was er damals nicht beherrschte. So versucht er, die Plattform zu schaffen, welche die Idee des Möglichen in Frage stellt.


IRWIN

IRWIN Link

Principle of Organization and Action / The Neue Kollektiv Neue Slowenische Kunst (NSK), 1984-2005

Karte

Das Kollektiv Neue Slowenische Kunst (NSK) wurde von drei Gruppen 1984 gegründet – Scipion Nasice Sisters Theatre, Irwin und Laibach –, noch im Rahmen der ehemaligen Sozialistischen Föderalistischen Republik Jugoslawien. Zusammenarbeit, ein freier Fluss von Ideen unter den einzelnen Mitgliedern und Gruppen, ein erklärtes Copyleft, welches noch nicht einmal durch die Angabe der Autorenschaft limitiert war, genauso wie die gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Planung bestimmter Bewegungen und Handlungen waren entscheidend für die Entwicklung und die Operationsweise des NSK, obwohl die Gruppen in ihren Aktivitäten autonom waren. Bewusstheit über die spezifischen Konditionen für Operationen im Bereich der Kunst im damaligen Jugoslawien, das weitgehend durch die Enge des Kunstsystems und eines Valorisierungssystems definiert blieb, das an die örtlichen Bedürfnisse angepasst war, führte zu einer Konzentration kritischer Masse und einer Konfrontation mit dem Kunstsystem. Der Antagonismus, der auf diese Weise als Folge erzeugt wurde, umschrieb deutlich die Umrisse besonderer Gruppen und des NSK als Ganzem und subjektivierte diese. Es lag auf der Hand, dass unter angespannten Bedingungen die Verantwortung für die Produktion und ihre Reflexion allein bei uns lag, und genau durch die Steuerung dieser Konfrontation etablierten wir unsere Autonomie. Kurz gesagt, Zusammenarbeit und gemeinsames Vermögen waren die Basis und die unvermeidbare Konsequenz der Positionierung der Neuen Slowenischen Kunst auf die kulturelle und politische Realität der Sozialistischen Föderalistischen Republik Jugoslawien.

NSK wurde von drei Gründungsgruppierungen eingerichtet. Genau gesagt, von Mitgliedern dieser drei Gruppen. Wir bestätigten die Gründung des NSK, indem wir abstimmten und uns gleichzeitig über dessen organisatorische Agenda einigten. Dies stellt eines der wenigen Elemente dar, bei denen Neue Slowenische Kunst objektiviert ist, nicht, weil es dadurch ordentlich repräsentiert wird, sondern weil NSK dadurch gebildet wurde.

Mit Genehmigung von Kontakt. Die Kunstsammlung der Erste Group und ERSTE Stiftung.


Milica Tomić

Milica Tomić Link

Black on White: Refracting the whiteness of the whites, 2011

Multimedia Installation

In den späten 1950er Jahren besuchte Oskar Davičo, der als Surrealist, Poet und linguistisches Genie – wie es ein jeder Surrealist, der diesen Namen verdient, sein muss – bei der „Vorbereitung“ einer Blockfreien Bewegung ein bestimmtes afrikanisches Land, wo er mit Gelehrten, PolitikerInnen, Staatsmännern, Schamananen und normalen Menschen als ihr Gast sprach. Er kommunizierte manchmal mit der Hilfe eines Dolmetschers und manchmal in seiner zweiten Muttersprache, Französisch, die auch die Sprache der Kolonisatoren seines Gastlandes war. Darüber schrieb er ein Buch: Crno na belo (1963) – wörtlich übersetzt „Schwarz auf Weiß”, ein serbo-kroatisches Syntagma, dem das englische „In black and white“ (dt. „Sprich Klartext!“) am nächsten kommt. Damit wird die Forderung aufgestellt, die Wahrheit zu sprechen oder über die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Der Ausdruck bedeutet aber auch, dass die Wahrheit auf Papier geschrieben steht und zu einem Nachweis wird, einem Dokument. Das Buch war ein Reisebericht, der sich mit zeitgenössischen post-kolonialen afrikanischen Gesellschaften befasste.

Mit dieser Arbei soll eine Passage analysiert werden, in der uns Oskar Davičo von einer Truck-Reise erzählt, während der eine lebhafte Diskussion über die Entwicklung des politischen Lebens in Afrika stattfindet. Sie stellt die Aufforderung dar, Zeugnis abzulegen und die Wahrheit über die komplexe Situation anti-kolonialer Politik zu sagen, wobei die WEISSE FARBE in die Farben der politischen Parteien und Organisationen und deren Präsenz damals in Afrika zerlegt wird.


Unterstützt von:

bm:ukk
MA 7 - Interkulturelle und Internationale Aktivitäten
ERSTE Foundation

In Zusammenarbeit mit:

cyberlab Digitale Entwicklungen GmbH




grafisches Element