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Widersprüche! Critical Agency and the Difference within

AUSTELLUNGSDAUER: 4. Mai - 14. Juni 2011

ERÖFFNUNG: 3. Mai 2011, 19.00-21.30 UHR

PROJEKTKURATORIN:Nora Sternfeld »

Mit künstlerischen und diskursiven Beiträgen von :

bini adamczak
Etcétera
Eduard Freudmann
Oliver Marchart
Raqs Media Collective

AUSSTELLUNGSGESTALTUNG: Toledo i Dertschei

Vorträge und Gespräch (Sprachen: Englisch/Deutsch):
bini adamczak, Eduard Freudmann, Oliver Marchart, Nora Sternfeld

Podium: Open Space, Open Systems

Datum: 3 Mai, 19.30 Uhr

bini adamczak: (mindestens) 13 WEGE, NICHT GEMEINT ZU SEIN
Eduard Freudmann: Widersprechen. Unter uns und darüber hinaus: Antismitismus bemerken, Antisemit_innen ins Wort fallen
Oliver Marchart: Demokratie als Praxis der Selbstentfremdung
Nora Sternfeld: Widersprüche! Critical agency and the Difference within


Widersprüche! Critical Agency and the Difference within basiert auf einem Gespräch. Dieses widmet sich künstlerischen und aktivistischen Strategien, die eine Position beziehen und sie dabei zugleich reflexiv in den Blick nehmen. Widersprüche sind also im doppelten Sinn gemeint: als Formen des Widerspruchs gegen die bestehenden Verhältnisse und als reflexive Auseinandersetzung mit der eigenen kritischen Position innerhalb von Diskursen und Institutionen sowie innerhalb der Gesellschaft.

Eine Perspektive der kritischen Handlungsmacht widersetzt sich der Dichotomie von „gut” und „böse” und fragt vielmehr nach „inneren Differenzen” und danach, was es bedeuten kann, diese nicht herunterzuspielen und dennoch handlungsfähig zu bleiben.Dabei öffnen sich Handlungsräume, die nicht bereits vorher festgeschrieben sind: Indem sich Diskurse und Praxen mit dem Apparat der Wertekodierung anlegen und dabei das, was sagbar, denkbar und sichtbar ist, verändern, entstehen Formen des Talking Back: Widersprüche gegen die bestehende Deutungsmacht.


bini adamczak

bini adamczak Link

(mindestens) 13 WEGE, NICHT GEMEINT ZU SEIN, 2011

Ein Diavortrag

Große theorie (wahrscheinlich im allgemeinen, vielleicht sogar per definitionem) neigt dazu, das kleine klein zu machen. sie spielt ihr großes spiel, während sie das, wo sie herkommt und meistens hinzielt, beiseite schiebt: das konkrete, hier: das beispiel. dies wird am deutlichsten auf der ebene der form: das beispiel wird als reine illustration behandelt, völlig austauschbar, während es gleichzeitig – merkwürdigerweise – immer wieder stumpf wiederholt wird. (was, wenn das allgemeine selbst ein beispiel wäre? oder – noch lustiger – was, wenn die theorie nur gültig wäre für dieses eine, einsame beispiel?). in der marxistischen theorie – die materialistisch zu sein behauptet – hat diese tendenz einige grausame und einige amüsante folgen. auf eine von ihnen wird diese arbeit fokusssieren (nicht als beispiel natürlich, sondern weil es eigentlich das ist, was mich interessiert ;-) : althusser’s veranschaulichung der anrufung: „he sie da – ja.” indem sie dieses beispiel ernst nimmt, wird diese arbeit versuchen, der polizei zu antworten (ob staats- oder geschlechterpolizei) – ohne deren anrufung anzunehmen. sie will eine große portion politische wut gegen die gegenwärtigen modi der subjektivierung mobilisieren (z.b. indem sie sich darüber lustig macht) und mündet in einen – nur scheinbar paradoxen – slogan: sei nicht gemeint!


ETCETERA

ETCETERA Link

Nicht alles tun, 2008

Poster

Ein Fragezeichen, das auf einer der Demonstrationen 2004 in Buenos Aires hochgehalten wurde markiert Widersprüche im doppelten Sinn. Als solidarischer Ungehorsam und als urban-soziale Performance versetzt die Arbeit die Seite, auf der wir stehen, in eine reflexive Position. Das Fragezeichen kann den Forderungen der Demonstration hinzugefügt werden und macht diese (ebenso wie es der Name der KünstlerInnengruppe etc... mit jeder KünstlerInnenliste macht) unabgeschlossen und verhandelbar. Die Bedingung der Möglichkeit für diese Form der Reflexivität ist allerdings, dass die KünstlerInnen sich mitten in der Demonstration befinden. Diese Form der Kritik und der Frage kann nur aus dem „Mittendrin“ der Demonstration formuliert werden.


Eduard Freudmann

Eduard Freudmann Link

KEGNSCHTELIK - YIDDISH RESISTANCE 3.0, 2011

Dokumentation von polizeilichen Ermittlungen gegen Unbekannt

WIDERSPRECHEN
UNTER UNS UND DARÜBER HINAUS: ANTISEMITISMUS BEMERKEN, ANTISEMIT_INNEN INS WORT FALLEN

Veranschaulichungen von Antizionismus und Antisemitismus in emanzipatorischen Theorien und Praktiken und Veranschaulichungen des politischen Handelns der dritten Generation Shoah-Überlebender in post-nazistischen Räumen.

Veranschaulichung #3
[…] Im Lauf der [Hochschul-]Proteste [2009/2010] war es beispielsweise alarmierend zu sehen, wie antisemitische Stereotype von einer Gruppe Studierender der Bauhaus Universität Weimar reproduziert wurden, ohne von anderen benannt und angefochten zu werden. Während ihrer Reisen zu internationalen Universitätsbesetzungen, verteilten sie Tausende von Flyern, die Dollarnoten mit dem Konterfei Milton Friedmans darstellten und auf deren Rückseite ein Slogan zu lesen war, der den Bologna-Prozess kritisierte. Sie identifizierten also einen jüdischen Wirtschaftswissenschaftler als die Wurzel allen Übels und reproduzierten so einen der gefährlichsten antisemitischen Mythen, nämlich jenen über die Jüd_innen und ihre wirtschaftliche Vorherrschaft. Als einzige personifizierte Ergänzung für alle möglichen Forderungen gegen die Kommodifizierung von Wissen kann der Geldschein als Vorlage aus dem Internet heruntergeladen werden um Slogans einzusetzen – WELCHE AUCH IMMER(55). Jeder Slogan gegen die Kommodifizierung von Wissen wird also mit „dem Juden“ als universellem Sündenbock komplettiert. Bemerkenswert ist auch, dass diese Aktion von einer Universität ausging, die nur 10 km vom Konzentrationslager Buchenwald entfernt liegt, eine Universität, die ein Kunstprojekt zensurierte, das sich mit der Shoah befasste(56) während sie die grausame Geschichte ihres eigenen Antisemitismus verschweig(57). Ungeachtet dessen, was die Absicht der Protestierenden gewesen sein mag, muss der Reproduktion sexistischer, rassistischer, antisemitischer und anderer ausschließender Elemente kritisch begegnet und eine klare Absage erteilt werden, ohne dabei Rücksicht auf vorgeblich gut gemeinte, tatsächlich jedoch restriktive Überlegungen „zum Wohl der Proteste“ zu nehmen. […]

Lina Dokuzović and Eduard Freudmann, Fortified Knowledge: From Supranational Governance to Translocal Resistance, Duke University 2010

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(55) http://m18.uni-weimar.de/protest/uploads/BildungsgutscheinA4.pdf
(56) Siehe Ronen Eidelman, „The Neues Museum saga,” http://medinatweimar.org/2008/06/15/the-neues-museum-saga
(57) Siehe Siehe den Teil der Universitätswebseite über „Geschichte”: http://www.uni weimar.de/cms/index.php?id=3886&L


Oliver Marchart

Oliver Marchart Link

www.euromayday.com, 2007

Poster

Gegenüber klassischen Formen der identity politics haben manche sozialen Bewegungen der jüngeren Zeit neue Politikformen entwickelt. Es geht ihnen nicht mehr um „Ich-Stärkung”, sondern um die permanente Infragestellung der eigenen Position und Identität. Das hat einen im strengen Sinn demokratischen Effekt, denn Demokratie ist nichts anderes als die instituierte und instituierende Praxis der Selbstentfremdung. Gleichzeitig bringt es aber auch Probleme, denn es könnte sein, dass es mit einem Verlust an politischer Schlagkraft verbunden ist. Oder vielleicht nicht?


Raqs Media Collective

Raqs Media Collective Link

Kollektivkräfte, 2007

Poster

Die Fotoarbeit von Raqs Media Collective entstand im Winter 2007 für den Bildpunkt – die Zeitschrift der IG Bildende Kunst mit dem Thema ,Kollektivkräfte’. In einem Text dazu definierten die KünstlerInnen Kollektivität konzeptuell als den Schatten aller Dinge Sie schreiben: „So wie die Konturen des Schattens ineinander übergehen, verschwimmen auch diskrete Grenzen. Und so wie das Licht den Schatten verlängert und verkürzt, ändert auch die Kollektivität ihre Dimension.“ Vielleicht haben die, die im Licht stehen und dort bekanntlich gesehen werden, von jenen Kollektivkräften, die sich im Schatten entwickeln, wo sie bekanntlich nicht so sichtbar ist, noch einiges zu erwarten.


Unterstützt von:

BM:UKK
Interkulturelle und internationale Aktivitäten

AUSSTELLUNGSGESTALTUNG, Kurzbiografie:

TOLEDO i DERTSCHEI (Wien) ist seit 1996 ein Büro für Gestaltung und Grafikdesign (www.tid.nextroom.at). Eva Dertschei and Carlos Toledo haben beide an der Universität für Angewandte Kunst studiert, sind Mitglieder von Design Austria sowie der IG Bildende Kunst. Seit 2006 sind sie RedakteurInnen des Bildpunkt – Zeitschrift der IG Bildende Kunst.




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